|
|
|
2.5 Welche Bedeutung kommt der Optik einer Digitalkamera zu?
Inhaltsverzeichnis
Wie schon in Punkt 2.4
erwähnt, wird den Objektiven
von Digitalkameras
meist zu wenig Beachtung
geschenkt. Viele Anbieter
lenken das Interesse der
Verbraucher nur auf die
Auflösung, den Preis oder
irgendwelche sekundären
Aspekte, nicht aber auf das Linsensystem. Dies ist
um so verwunderlicher, da Digitalkameras eine
höhere Leistungsfähigkeit des optischen Systems
verlangen als analoge Kompakt- oder sogar
SLR-Kameras. Sie können eben immer nur jene
Bildinformationen aufnehmen, die durch das
Objektiv ins Kamera-Innere gelangen und exakt
auf das CCD treffen. Der Chip ist jedoch
wesentlich kleiner als die Bildfläche eines
Dia- oder Negativfilms. So kann z. B. die Diagonale
eines CCD-Chips gerade einmal 0,55 cm betragen,
während sie bei einem 35-mm-Film 4,3 cm misst.
Da bei nahezu gleich bleibender CCD-Größe die
Auflösung stetig steigt, müssen die einzelnen
Pixel immer kleiner werden. Wenn z. B. auf
einem CCD, das kleiner als 1 Zoll (ca. 2,54 cm)
ist, drei oder vier Millionen Sensoren aufgebracht
sind, beträgt die Breite eines Pixels sechs Mikro-meter (1 Millimeter = 1.000 Mikrometer) oder
weniger. Während in diesem Beispiel eine Linsenauflösung
von drei bis vier Mikrometer notwendig
ist, reichen bei Objektiven analoger Kameras
etwa 10 Mikrometer.
Die Grafik links zeigt: Objektive analoger Kameras vermögen das Licht nicht so
hoch aufzulösen, damit es exakt auf die einzelnen CCD-Sensoren treffen kann.
Wegen der unglaublich kleinen Fotozellen benötigen Digitalkameras leistungsstärkere
Objektive mit einer höheren Linsenauflösung.
Hinzu kommt, dass jeder einzelne Sensor
konstruktionsbedingt auf allen Seiten von einer
„Wand“ umgeben ist und das CCD daher seitlich
einfallendes Licht nicht nutzen kann. Um das
Licht so zu bündeln, dass es senkrecht auf den
Sensor trifft, sollte das Objektiv eine nahezu
telezentrische Konstruktion aufweisen. Dies ist
bei den meisten Kompaktkameras wegen der
geringen Größe des CCDs – mit einer wesentlich
kleineren Fläche als ein 35-mm-Film – durchaus
möglich. Bei digitalen Spiegelreflexkameras mit
CCDs, die auf dem größeren 35-mm-Filmformat
basieren, ist die Herstellung nahezu telezentrischer
Objektive aber nicht ohne Weiteres möglich.
Die Objektive würden so groß und teuer,
dass viele Hersteller sich dafür entschieden,
Abstriche bei der Qualität in Kauf zu nehmen.
Mit der Einführung des Four Thirds Standards
wurde dieser unbefriedigende Kompromiss beendet.
Gemeinsam von Olympus und Kodak entwickelt,
legt er u. a. die optimale Sensorgröße für
D-SLRs fest und ermöglicht so die Herstellung
nahezu telezentrischer Objektive. Der Standard
beschreibt ebenso die Methoden der Kommunikation
zwischen Gehäuse und Objektiv, wodurch
einige optische Abbildungsfehler elektronisch
korrigiert werden können. Der Four Thirds Standard
ist offen für jeden Hersteller, der sich seinen
Richtlinien anschließen möchte. Dies erlaubt es
Fotografen, Kameragehäuse und Objektive unterschiedlicher
Hersteller zu kombinieren.
Für 35-mm Kameras konstruierte Linse. |
 |
Film |
|
Bei einem Film spielt es keine Rolle, in
welchem Winkel das Licht auf ihn trifft.
Selbst bei hohen Auflösungen kann ein
Film Licht aus einem steilen Einfallswinkel
ohne kritische Helligkeitsverluste
nutzen.
|
|
Für 35-mm Kameras konstruierte Linse. |
 |
CCD |
Die folgenden Effekte treten ein, wenn
Licht in einem großen Winkel auf den
Sensor trifft:
- Reflexion auf benachbarte Pixel.
- Übersprechen zwischen benachbarten
Pixeln.
- Helligkeitsverlust, da ein Teil des
Lichts nicht vom Sensor aufgenommen
werden kann.
Diese Effekte verringern die Ladung der
einzelnen Pixel, was zu einem
schlechteren Signal-/Rausch-Verhältnis,
Randabschattung und verminderter
Farbtreue führt.
|
|
Nahezu telezentrische Linse wie in ZUIKO DIGITAL Objektiven. |
 |
CCD |
Die nahezu telezentrische Konstruktion
der für das Four Thirds-System optimierten
Objektive stellt sicher, dass das Licht
in einem beinahe rechten Winkel auf die
Sensoren trifft. Somit sind Farbtreue,
Schärfe und Helligkeit bis an die
Bildränder garantiert.
|
Sie sollten also auch bei Digitalkameras immer
auf gute Optiken achten. Denn neben der Bildschärfe
haben sie auch maßgeblichen Einfluss auf
die Farbtreue sowie die Aufnahmeergebnisse bei
schwierigen Lichtverhältnissen.
Ein Trugschluss wäre es anzunehmen, dass dank
der immer besseren Bildbearbeitungs Programme
auch sämtliche Aufnahmefehler nachträglich
am Computer korrigiert werden könnten. Gewiss,
die Möglichkeiten, die die verschiedenen Software-
Lösungen bieten, sind faszinierend. Aber
zaubern können natürlich auch sie nicht: Was gar
nicht erst aufgenommen wurde, kann nicht verbessert
werden. Und was beispielsweise völlig
über- oder unterbelichtet bzw. unscharf digitalisiert
wurde, lässt sich nur selten in ein gutes Bild
verwandeln.
Wer also auf erstklassige Bildqualität Wert legt
und keine unnötige Zeit mit der nachträglichen
Bildbearbeitung vergeuden möchte, sollte auf
jeden Fall auf eine hohe Qualität der Digitalkameraoptik
achten.
|
| |
|
|