|
|
|
Zoomobjektiv
Ein Zoomobjektiv oder kurz Zoom ist ein Objektiv mit variabler Brennweite. (Daher auch "das Zoom" und nicht "der Zoom", wenn man das Objektiv meint.) Gebräuchlich sind auch Bezeichnungen wie Vario-Objektiv oder Vario-System, Gummilinse (in den 80ern gebräuchlich, mittlerweile unüblicher), seltener (das) Transfokar oder (der) Transfokator.
Die technisch korrekte Bezeichnung für derartige Objektive ist pankratisches System (von altgriechisch pan = alles und kratos = Macht, d. h. also: eine "allmächtige", über alle Vergrößerungen bzw. Brennweiten verfügende optische Konstruktion).
Funktion
Das Verschieben von Linsenelementen im Objektiv (durch Drehen oder Verschieben eines Rings am Objektiv oder Drücken einer Zoomtaste bei motorisch gesteuerten Zooms, z.B. von Digitalkameras) bewirkt eine Veränderung der Brennweite. Bei hochwertigen Kameras ist damit eine stufenlose Anpassung des Bildausschnitts an das Motiv möglich, bei manchen einfacheren Modellen analog wie digital oft nur mehr oder weniger grob abgestuft. Bei manchen Kameras und Objektiven ist es möglich, einen so genannten Stufenzoom zu aktivieren, bei dem nur einige typische Brennweiten angewählt werden können, was z.B. bei der Anfertigung von Panoramen sehr nützlich sein kann.
Zoomobjektive sind eine kostengünstige und gewichtssparende Alternative zu einem Satz von Objektiven mit fester Brennweite, die den Bereich vom Weitwinkel- bis zum Teleobjektiven abdecken. Im Gegensatz zu einem festbrennweitigen Objektiv wird nicht eine Brennweite, sondern der abgedeckte Brennweitenbereich auf dem Objektiv angegeben (z.B. 35-80 mm oder 80-200 mm). Zoomobjektive lassen sich auch vorteilhaft einsetzen, wenn keine Zeit (sich schnell ändernde Motive) oder Gelegenheit (Staub, Sand, Feuchtigkeit, Unterwasser, Bergsteigen etc.) für einen Objektivwechsel ist.
Zoomen verändert allerdings nur den Bildausschnitt, nicht jedoch die Aufnahmeperspektive. Die bequeme Handhabung verführt ungeübte Fotografen leicht zur Vernachlässigung dieses wichtigen Gestaltungsmittels in der Fotografie. Beim Film etwa kann Zoomen in keinem Fall eine Kamerafahrt ersetzen.
Zooms vom leichten Weitwinkelbereich bis leichtem Tele (beim Kleinbildformat etwa 35 mm bis 80 oder 115 mm) gehören immer öfter zur Grundausstattung von Systemkameras; bei kompakten Digitalkameras sind sie praktisch Standard geworden. Für Systemkameras gibt es auch reine Weitwinkel- oder Telezooms. Objektive mit einem Zoomfaktor von mehr als fünf werden oft als Superzooms bezeichnet (Beispiele: 28-200/3.5-5.6 oder gar 18-200/3.5-6.3).
Zoomobjektive mit elektromechanischer Verstellung des Brennweitenbereichs werden gelegentlich Power Zoom genannt.
Eigenschaften
Die Abbildungsleistung von Zoomobjektiven ist in der Regel schlechter als die von Objektiven mit einer Festbrennweite, da ihre Konstruktionsweise stets einen Kompromiss der notwendigen Korrekturlinsen für die einzelnen Brennweiten erzwingt. Außerdem sind Zoomobjektive in der Regel lichtschwächer, das heißt: die minimale Blendenzahl ist größer. Beim Kleinbildformat sind etwa 4,5-5,6 bei 28-100-mm-Objektiven (vereinzelt werden 2,8 bis 2,6 erreicht) typisch, wohingegen Festbrennweitenobjektive ein Öffnungsverhältnis von 1:2,8 bis 1:1,4 (im Extremfall 1:1,0) erreichen. Für die Available-Light-Fotografie sind Zooms daher weniger geeignet.
Tatsächlich erlaubte erst die Einführung asphärischer Linsen (also solcher, die kein Kugelsegment darstellen) die Konstruktion befriedigender pankratischer Systeme, die einen größeren Zoombereich als etwa 3:1 abdecken, insbesondere bei Zooms, die bis in den Weitwinkelbereich hineinreichen. Der enorme Rechenaufwand bei der Konstruktion von Optiken mit asphärischen Elementen - teilweise mit zehn oder zwölf Einzellinsen (und entsprechend vielen brechenden Flächen) - wurde wiederum erst durch die Computertechnik bewältigt.
Viele besonders kompakt konstruierte Digitalkameras verfügen über Zooms, die motorisch ins Kameragehäuse einfahrbar sind. Bei diesen Konstruktionen müssen oft Kompromisse zwischen optischen Erfordernissen und dem Zwang zur Kompaktheit eingegangen werden, so dass bei solchen Modellen Linsenfehler häufig nicht optimal auskorrigiert sind und deutlich sichtbare chromatische Aberrationen und massive Verzeichnungen besonders im Weitwinkelbereich auftreten.
Die bei vielen Zooms angebotene Makro-Funktion für Nahaufnahmen ersetzt qualitativ kein speziell für große Abbildungsmaßstäbe berechnetes "echtes" Makroobjektiv. Insbesondere die Bildfeldwölbung und die geometrischen Verzeichnungen führen im Nahbereich oft zu völlig unzureichender Bildqualität, so dass z.B. Reproaufnahmen nicht sinnvoll machbar sind.
Geschichte
Eine der ersten Zoomlinsen für den photographischen Sektor war das Zoomar-Objektiv von Voigtländer. Zahlreiche ähnliche Konstruktionen für Spiegelreflexkameras folgten. Heute finden sich Objektive mit elektrischen Antriebselementen auch bei einfacheren Kleinkameras.
Im Film- und Fernsehsektor lösten Objektive mit variabler Brennweite die zuvor häufig eingesetzten Objektivrevolver ab. Jahrelang prägten Fernsehkameras mit den bekannten kastenförmig verkleideten Objektiven das Bild. Beim Super-8-Schmalfilmformat fanden sich zeitgleich Vario-Objektive.
|
| |
Der oben angeführte Artikel basiert auf dem Artikel Zoomobjektiv
aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der
GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|
|
|